Dienstag, 21. März 2017

♥♥37. Farmarbeit - 2nd Year Visa - Backpacker Leben

G'Day ihr Lieben,

ich habe es geschafft nach wochenlangem herumtelefonieren an einen Farmjob für Bananen heranzukommen. Mein Ziel war es mit meinem Partner länger in Australien Zeit verbringen zu können, denn nach 3 Monaten Farmarbeit hat man die Möglichkeit sein Visum um ein weiteres Jahr verlängern zu lassen. Allerdings ist nicht alles so gelaufen wie es geplant war, aber erstmal von Anfang an:

Nachdem ich endlich eine Farm gefunden hatte, wollte der Manager dass ich direkt den übernächsten Tag anfange dort zu arbeiten. Das war kein großes Problem, denn ich hatte sowieso frei. Ich musste mir nur neue Arbeitsschuhe (Boots) und Arbeitskleidung kaufen. Allerdings befand sich die Farm in Mareeba und diese Stadt wird durch die Kuranda Range von Cairns getrennt. Es liegen zwischen den beiden Orten zudem eine gute Stunde Autofahrt. Deswegen haben mir die Eltern meines Partners angeboten während der drei Monate die wir geplant hatten, bei ihnen zu leben.

Ich habe dann die Farmarbeit ca. 4,5 Monate vor meiner angesetzten Abreise begonnen. Hier kann ich euch schonmal direkt sagen, dass dies ein großer Fehler war! Solltet ihr wirklich euer Visum verlängern wollen, beginnt so früh wie möglich mit der Farmarbeit, denn bei mir hätte nichts mehr dazwischen kommen dürfen. Kein Regen der den Arbeitsprozess gestört hätte; keine Krankheitsausfälle, da diese nicht als gearbeitete Tage eingerechnet werden; keine sonstigen Unterbrechungen; etc. ,denn auch das Visum kann bis zu 6 Wochen brauchen um bearbeitet zu werden. Gerade bei dem zwei Jahres Visum muss man mehr Zeit einplanen, da mehr geprüft werden muss als bei dem ersten und es definitiv nicht verschenkt wird!

Generell muss man um das Visum zu bekommen 88 Tage Farmarbeit nachweisen können. Allerdings wurde mir von dem manager erzählt, dass solange man seine ganze Zeit auf der selben Farm verbringt, man nur genaue 3 Monate arbeiten muss. Das bedeutet, dass die freien Arbeitstage mit eingerechnet werden, solange es nicht zu viele sind. Wie viele es aber letztendlich sein durften, konnte keiner beantworten.  Ich musste jeweils 10- 12h, 4 Tage in der Woche auf der Farm arbeiten (von Montag bis einschließlich Donnerstag). Der Freitag war optional. Allerdings hat jeder zusätzlich den Freitag gemacht, da keiner wusste ob man ansonsten später Probleme mit dem Visum bekommen würde und es gab zusätzlich mehr Geld. Auf meiner Farm gab einen festen Stundenlohn (Mindestlohn). Das ist sehr wichtig bei Farmarbeit! Achtet darauf, dass ihr nicht nach kg oder Stückzahl bezahlt werdet. Natürlich könnt ihr somit auch mehr Geld machen (je nachdem was ihr pflückt), aber genauso hoch stehen die Chancen kaum Geld für Knochenarbeit zu verdienen. Wenn ihr noch zusätzlich einen weiteren Job habt, wie ich zu der Zeit, empfiehlt es sich allerdings sich zu entschieden, da wenn man zwei Arbeitsplätze während der drei Monate hat nur die vollen 88 Arbeitstage gezählt werden. Das wäre sehr knapp mit meiner Zeit geworden und deswegen habe ich mich dazu entschieden mich nur auf Farmarbeit zu konzentrieren.


An meinem ersten Arbeitstag hieß es dann abrupt nach Atherton ziehen und meinen Partner erst einmal zurücklassen. Ich musste morgens um 6.30 Uhr an der Farm sein und meine neuen Schuhe bereithalten (ihr werdet wahrscheinlich auch für jeden neuen Arbeitsplatz auf einer Farm ein neues Paar Schuhe kaufen müssen. Es geht hierbei lediglich um Pflanzenkrankheiten, die die komplette Saat zerstören können). Diese wurden dann überprüft und nachdem ich sie angezogen hatte musste ich zusätzlich durch ein Wasserbecken laufen um möglich Keime zu vernichten. Von dort aus ging es dann mit extrem alten, aber irgendwie auch richtig coolen, Jeeps zum Produktionsschuppen. Nach einer halben Stunde um sieben Uhr klingelte es dann zum Arbeitsbeginn. Allen Mitarbeitern wurden ihre Jobs zugeteilt. Es gab extrem viele Backpacker, aber auch der ein oder andere Australier war dabei. Abgesehen von mir gab es dann an dem Tag noch 3 weitere Neuanfänger. Wir haben dann alle eine Einführung bekommen, musste unsere Angaben weitergeben, wurden durch den Produktionsbereich geführt und haben alle Regeln und den Ablauf von Bananenproduktion kennengelernt.

Direkt danach wurden wir zu unserem ersten Job geführt. Dort mussten dann bis zum Schichtschluss Plastiktüten falten. Zwischendurch hatten wir insgesamt 45 Minuten Pause auf den ganzen Tag verteilt. Die Arbeit ging einem ziemlich in den Rücken, denn mann musste auf einer Stelle stehen. Sobald man den Platz wechseln wollte, oder angefangen hat zu reden, war es sehr wahrscheinlich eine Verwarnung zu bekommen.
In den weiteren Tagen musste ich dann die Plastiktüten weiter falten, die Toiletten reinigen, riesige schwere Bananenhände in den Wasserbecken anheben und auf Druckstellen prüfen, 40kg Tonnen entleeren, Eisenwagen in die Produktionshalle schieben, etc.

Das kontinuierliche stehen war wirklich sehr schmerzhaft für meinen Rücken. Allerdings konnte ich mich zu Beginn damit abfinden. Was mich aber mehr störte, war der psychische Druck den die Manager auf einen ausübten. Beim trinken wurde man sehr oft mit musternden Blicken angeschaut. Andauernd wurden etliche Mitarbeiter angeschrieen. Teilweise vor versammelter Mannschaft. Beleidigungen und Kündigungsdrohungen gehörten quasi zum Alltag. Man fühlte sich einfach wie ein Tier. Ich persönlich wurde nicht angeschrieen, aber alleine dass anderen mit der Kündigung gedroht wurde, die fast ihre 3 Monate auf der Farm verbracht hatten, schmiss bei mir Fragen auf: Was wenn ich fast meine Zeit abgearbeitet hätte und wäre dann entlassen worden? Zudem stand man die ganze Zeit unter Druck, gerade weil man Angst hatte etwas falsch zu machen. Wurde jemand gekündigt, standen am nächsten Tag wieder 3 neue Backpacker an der Türschwelle. Deswegen gab es auch keine zweiten Chancen. Wenn man nicht schnell genug war, oder den Managern deine Nase nicht gepasst hat, konnte man gehen. Sogar Muskelprotzen haben gekündigt, weil die Arbeit teilweise einfach unzumutbar war.
Nach ein paar Woche hatte ich mich dann auch dafür entschieden zu meinem alten Job zurückzukehren. Dort wurde ich wieder direkt eingestellt und wieder liebenswert aufgenommen. Ich wollte nicht meine Gesundheit und die letzten Monate mit meinem Partner riskieren. Im Nachhinein habe ich zusätzlich noch herausgefunden, dass an dem selben Tag an dem ich meine Kündigung eingereicht hatte, noch 10 weitere Leute das gleiche getan haben. Ich habe mich sehr sehr schwer mit dieser Entscheidung getan und habe lange gebraucht um diese Entscheidung zu treffen, aber ich habe sie bis zum heutigen Tag nicht bereut.

So, das war meine Erfahrung zu dem Thema Farmarbeit in Australien. Ich denke es ist Glückssache was für eine Farm ihr erwischt. Ich hatte nunmal keins ins dieser Angelegenheit. Wichtig ist nur, dass ihr euch wohlfühlen musst bei dem was ihr tut. Lasst euch genügend Zeit bei der Suche und recherchiert ebenfalls über die Farm.
Wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt, schreibt mich gerne an.